Gossner, Johannes Evangelista - Andachten über das 5. Buch Mose

5. Mose 4,7.

Wo ist ein so herrlich Volk, zu dem Götter also nahe sich tun, als der Herr, unser Gott, so oft wir ihn anrufen?

Ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott selbst spricht. Ich will in ihnen wohnen und in ihnen wandeln; ihr Gott will ich sein, und sie sollen mein Volk sein. 2. Korinther 6,16. 3. Mose 26,12.

Welch eine Gemeine, die ein Tempel des lebendigen Gottes ist! Ein lebendiger Gott muss einen lebendigen Tempel haben. Die toten Götzen wohnen in toten, steinernen Häusern. Welche Herablassung Gottes zu uns! Wie soll uns diese Liebe beschämen? wie sollen wir als Tempel Gottes Leib und Geist dem Herrn heiligen. 1. Korinther 6,20. Seele, wie kannst du je vergessen, wer in dir wohnet, wessen Haus und Tempel du bist? Dein Herz ist dem Herrn geheiligt durch das Blut Christi, mit dem du erkaufet bist; zerstöre, entweihe, schände diesen Gott geweihten Tempel nicht durch unwürdige Gedanken und Gesinnungen; vielmehr soll dich der Gedanke: Gott wohnet und wandelt in mir! zu unermüdeten Wachsamkeit erwecken, und darin beständig erhalten, dass du des Gottes würdig wandelst, denkest, redest und handelst, der sich so tief zu dir herablässt, so nahe bei dir bleibt und dich so hoch erhebt und ehret, da er dein Herz zu seiner Wohnung, zu seinem Throne erwählet hat. Wir können das alles ja kaum glauben, denn es ist zu groß, zu viel, zu gnädig; aber Christus hat es selbst gesagt. Johannes 14,23. Und da der Herr es schon im alten Bunde so feierlich angekündigt und verheißen hat; da wirklich jede fromme Seele, die in ihr Herz einkehrt, und mit Glauben und Demut den Herrn inwendig sucht, ihn findet und seinen Umgang genießt, so können wir nicht zweifeln; wir haben was wir glauben, und was uns der Wahrhaftige verheißen hat. Lasst uns nur sein Volk sein, d.h. ihm von Herzen treu ergeben, mit Blut und Gut anhänglich sein, so wird er nicht aufhören, unser Gott, unser Immanuel zu sein.

5. Mose 33,3

Wie hat doch der Herr die Leute so lieb!

Wo ist ein solcher Gott, wie du bist? der die Sünde vergibt, und erläset die Missetat. - Er wird alle unsre Sünde in die Tiefe des Meeres werfen. Micha 7,18.19.
Der niemand Unrecht getan hat. - Aber der Herr wollte ihn so zerschlagen. - Durch sein Erkenntnis wird er, der Gerechte, viele gerecht machen; denn er trägt ihre Sünden. Jesaja 53,9-11.

Das unbegreiflichste und anbetungswürdigste aller wunder ist die Liebe Gottes in Christo, auf die wir immer wieder zurückkommen, bei der wir immer stehen bleiben sollen; die uns alle Tage neu werden muss. Moses wunderte sich schon: Wie hat doch der Herr die Leute so lieb!! die es doch so gar nicht verdienen. Er kannte das hartnäckige Volk und sah, wie sehr Gott sie liebe. Wenn er nun aber vollends den Sohn Gottes am Kreuze in Blut und Wunden, zerschlagen und gemartert, ja als wie von Gott zerschlagen, erblickt hätte, wie würde ihm geworden sein? Es beleidigt die weichen, gebildeten Ohren unsrer Zeitgenossen, wenn die Schrift sagt: Der Herr hat seinen Sohn geschlagen und gemartert. Ich weiß ihnen aber nicht zu raten; denn mich dünkt es schön, wenn gleich unerforschlich, dass Gott den Gerechten für die Ungerechten zerschlug -, nicht um des Schlagens und Plagens willen: sondern, dass er viele gerecht machte, dass er Samen habe, und die Fülle habe, dass er eine große Menge zur Beute erhalte, dass wir alle Sein würden. Darum hat Gott ein so großes Opfer gebracht, dass er den, der ihm der Liebste und Wohlgefälligste war, wie im Zorn behandelte, um die, welche ihn hassten und die seinen Zorn verdient hatten, zu gewinnen und von Gericht und Zorn zu befreien. Lasst uns dieses Wunder der Liebe nicht erforschen, denn dies können wir nicht, sondern genießen; das sollen und können wir mit Gottes Gnade.